Was machen Sie heute?
Im Gespräch mit "Carlumnus" Prof. Dr. Claudia Lenk
| Organisation: | Universität Ulm |
|---|---|
| Fachgebiete: | Physik |
| Themenschwerpunkte: | Life Science Technologies |
Sie wurden im Nachwuchsförderprogramm durch die Carl-Zeiss-Stiftung gefördert. Wo waren Sie damals tätig und was haben Sie gemacht?
Prof. Dr. Claudia Lenk: 2011 habe ich an meiner Promotion im Bereich Biophysik an der Technischen Universität Ilmenau geforscht. In dieser Zeit habe ich mögliche Mechanismen untersucht, welche Vorhofflimmern generieren und aufrechterhalten. Beim Vorhofflimmern ist die elektrische Anregung der Vorhöfe des Herzens gestört, wodurch diese nicht mehr effektiv kontrahieren können. Es tritt zu Beginn jedoch sehr sporadisch auf, sodass die Dynamik eine große Rolle spielt. Die Arbeit war sehr interdisziplinär bestehend aus physikalischer Modellierung und Simulation, chemischen Experimenten, Materialanalysen und Verarbeitung medizinischer Signale. Dies kennenzulernen, auch die Fallstricke, war sehr hilfreich und hat mich für die weitere Karriere inspiriert.
Wie haben Sie diese Zeit in Erinnerung?
Meine Promotionszeit hat mir sehr gut gefallen, insbesondere die wissenschaftliche Freiheit, der Kontakt mit anderen Doktorand:innen einschließlich langer Kaffeepausen und Diskussionen, die Möglichkeit, ehrenamtlich internationale Praktikant:innen zu betreuen und mit ihnen Ausflüge zu unternehmen und generell die relativ freie Zeiteinteilung. Diese hat auch sehr bei der Vereinbarkeit von Kindern und Promotion geholfen. Die Teilnahme an mehreren internationalen Konferenzen, teils mit der gesamten Familie, waren tolle Erfahrungen, wissenschaftlich wie privat. Es gab auch sehr stressige Phasen, aber insgesamt war es eine spannende, aufregende und schöne Zeit.
Was machen Sie heute?
Nach meiner Promotion habe ich zunächst noch eine Postdoc-Zeit an der TU Ilmenau verbracht. Dort habe ich mich mit einem neuem Forschungsgebiet, der bio-inspirierten bzw. neuromorphen Sensorik basierend auf mikroelektromechanischen Systemen, beschäftigt. Die Idee ist hierbei, Sensorik und Verarbeitung zu vereinen, um damit effizientere und schnellere Schallerkennung zu ermöglichen. Seit 2024 bin ich Professorin für biomedizinische Sensorik und Mikrosysteme an der Universität Ulm. In meiner Gruppe untersuchen wir die biologische Wahrnehmung und Informationsverarbeitung beim Hören und wollen diese Prinzipien in bio-inspirierte Technologie übertragen. Diese soll sowohl Menschen (z.B. als Hörgerät) aber auch Maschinen helfen, unter verschiedensten Bedingungen und bei vielen Störgeräuschen besser zu hören.
Was begeistert Sie in Ihrer heutigen Position am allermeisten?
An meiner jetzigen Position begeistern mich viele Aspekte. Ich habe die Freiheit, neue und zum Teil auch erstmal etwas abwegigere Ideen auszuprobieren und neue Systeme zu entwickeln. Ich arbeite mit einem diversen Team von hochmotivierten Promovierenden zusammen, mit denen man sich auch mal lustige Experimente für den Langen Abend der Wissenschaften ausdenken und umsetzen kann. Ich entwickle Systeme, die Menschen direkt helfen können, ich kann anderen etwas beibringen und dabei Studierende für die Forschung begeistern. Weiterhin begeistert mich sehr die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Forschenden aus der Medizin, Psychologie, Informatik, Ingenieurwissenschaft und Physik. Dadurch ergeben sich immer wieder neue spannende Forschungsfragen, aber auch die Möglichkeit, die neuartigen Sensorsystem wirklich in der Anwendung zu testen.
Mit dem Wissen von heute: Was hätten Sie zu Beginn Ihrer Karriere schon gern gewusst?
Dazu fallen mir zwei Punkte ein: Forschung lebt von der offenen Diskussion auf Augenhöhe, egal welchen Status oder Titel jemand hat, und auch der Bereitschaft, sich auf andere Sichtweisen und Themen einzulassen. Daher lieber mehr fragen und hinterfragen und sich nicht von Bekanntheit, Hierarchie o.ä. beeindrucken zu lassen. Zum anderen ist die Begeisterung für die Arbeit sehr wichtig. Dann kann man auch andere überzeugen und viel erreichen. Wobei manche Themen spannender sein können als anfänglich gedacht.
Forschung lebt von der offenen Diskussion auf Augenhöhe, egal welchen Status oder Titel jemand hat, und auch der Bereitschaft, sich auf andere Sichtweisen und Themen einzulassen.
Könnten Sie sich vorstellen, etwas ganz anderes zu machen. Und wenn ja, was wäre das?
Beruflich kann ich mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen, da ich schon immer gern viel wissen wollte, geforscht und Fragen gestellt habe, aber auch viel Spaß an der Wissensvermittlung habe. Früher wollte ich gern Tierärztin werden und einen eigenen Hof mit Tieren haben. Das kann ich mir für eine Auszeit noch immer gut vorstellen, aber nicht auf Dauer.
Letzte Frage: Welches Schlagwort kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an die Carl-Zeiss-Stiftung denken?
Offenheit und Flexibilität, sei es in Bezug auf Themen, Promotion mit Kind, Zusammensetzung von Projektgruppen oder Änderungen im Projekt. Dies gibt den Forschenden viel Freiraum, ihre Ideen anzugehen und zu verwirklichen.
Herzlichen Dank, dass Sie für das Interview im "Carlumni" Newsletter zur Verfügung standen!
Prof. Dr. Claudia Lenk
Universität Ulm
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